Es hat ein klein wenig etwas von einem mystischen Ort, es scheint wie ein Überbleibsel aus einer Zeit wo es den Menschen noch besser ging. Die Restauration zur Kaiserkrone ist ein monarchisches Restaurant durch und durch und der Vergleich mit einer orthodoxen Kirche, die statt mit Ikonen mit Kaiserbildern geschmückt ist hinkt ein bisschen - orthodoxe Kirchen haben nicht so viele Ikonen, zumindest die die ich aus Ostpreußen kenne nicht.
Die Ersten kamen schon einen Tag vor der Gründung, alle unter Dreißig - Ein Omen? Aus den Lautsprechern schallt Rockmusik: "Rammstein", "In Extremo" - außer uns befindet sich noch eine größere Gruppe Jugendlicher an einem langen Tisch abseits des Lokals, sie trinken Reichsbräu, die Eigenkreation des kaisertreuen Wirts Uwe Friedland. Auch die restlichen Tische waren besetzt, zu gut Deutsch: der Laden mit dem monarchischem Flair war gerammelt voll. Gerade die Jugend sucht die Nähe zur in Schwarz-Weiß-Rot gehaltenen Restauration zur Kaiserkrone. Auch schon anwesend: Eric Bayer, etwas aufgeregt, wegen des morgigen Tages blitzen seine Augen, wenn er über die Monarchie, Politik und Religion redet, die Leute am Tisch hören ihm zu und ein interessantes Gespräch entsteht. Wenn die Runde ein Thema abgearbeitet hatte, brauchte man nur kurz in den Raum blicken und schon hatte man ein neues Thema - die Monarchie ist lebendig an diesem Ort.
Ursprünglich wurde der Termin zur Gründung des Arbeitskreises Sachsen in Berlin festgelegt, weit ab von Rhein, Main und Elbe - Orte wo man solche Entscheidungen eher vermuten würde. Man wollte zwei Sachen auf einmal, die Gelegenheit war günstig. In Halle hatten sich unlängst einige Monarchisten jungen Alters zusammen gefunden. Einer von ihnen hatte sich im Tradition und Leben Forum gemeldet, ob es nicht vielleicht auch Leute in Halle/Saale gibt, mit denen er Kontakt aufnehmen könnte, geschrieben hatte er unter dem Namen Wimpus. "Ja die gibt es!" Adressen wurden ausgetauscht und die Idee, einen Arbeitskreis Sachsen zu gründen wurde geboren. Dieser sollte, so hatte wir es uns im Nicolai-Viertel in Berlin vorgenommen, am selben Tag gegründet werden, wie ein anderer AK.
Nach einigen Reichsbräu, einer Hohenzollernpfanne oder einem Wettinerschnitzel konnten wir gut schlafen. Nachdem Eric gegangen war, er übernachtete nicht im Hotel, hatten die restlichen 3 verbliebenen ein Doppelzimmer genommen, was bedeutete das einer, in diesem Fall der, der zu letzt an gereist war, im Schlafsack auf dem Boden schlafen musste. Uwe Friedland erlaubte uns das freundlicherweise, außerdem gab er uns für zwei Übernachtungen + Essen einen Kameradschaftspreis von 60€.
Nach dem Aufstehen und Frühstücken trafen wir uns wieder mit dem Achtzehnjährigen Eric Bayer: "Heute ist der Große Tag!" Zu so früher Stunde wie jetzt, war es gut den Kreislauf mit einem gemütlichen Spaziergang auf trapp zu bringen, kurzerhand wurde beschlossen eine Stadttour durch Riesa zu machen, die gleichzeitig darauf hinaus führte einen Bekannten Erics vom Bahnhof abzuholen.
Riesa ist keine besonders schöne Stadt, es gibt einige Überbleibsel aus einer Zeit wo Bauen noch Kunst war, ansonsten hat sie aber die Fassaden einer neo-republikanistischen Stadt, wie man sie überall im postrevolutionären Europa findet - "Platte". Diesen Makel versuchten die sog. Stadtväter durch allerlei moderner Kunstgegenstände zu überdecken, wie einem über 20 Meter hohem Baum, aus vor sich hin rostendem Stahl, mit einem phallussymbolisierenden Ast der fast senkrecht den Stamm verlässt und einem gestürztem Kreuz, das in die pampigen Ufer der Elbe gestürzt ist. Nur eine Randerwähnung sollte sein, dass der Künstler vor wenigen Jahren durch einen Prostitutionsskandal aufgefallen ist, was nun mehr Wellen schlägt, kann ich von hier aus nicht sagen.
Auf dem Weg zurück stießen wir dann auf die gerade angereisten Kameraden aus ganz Sachsen, die wir dann zur Kaiserkrone begleiteten. Flotte Märsche und die alten Lieder kamen uns entgegen, als wir die Restauration betraten. Die Sachsen Fahne und die Schwarz-Weiß-Rote Fahne flankierten, die Fahne der Befreiungskriege und der Burschenschaften Schwarz-Rot-Gold - heute als republikanistisches Symbol missbraucht, fällt es vielen schwer sie zu akzeptieren, doch ist sie die alte Kaiserfahne mit den roten Aufschlägen der Lützower Jäger.
Doch nun ging es los: alle setzten sich und sahen die Zettel vor sich, gut ausgerichtet, auf dem Tisch liegen: "Heil dir im Siegerkranz!" "Für die die nicht ganz so textsicher sind", schmunzelte der Wirt Uwe Friedland. Musik erschalte, die Einleitung! Alle erhoben sich, Zweie nahmen die Zettel gleich an sich, die leichte Rötung im Gesicht, war wohl Selbsterkenntnis genug. Ein Chor brandete aus den Lautsprechern: "Heil dir im Siegerkranz, Herrscher des Vaterlands, Heil Kaiser dir!" Wie Donnerhall hätte es geklungen, wenn meine Sprechchor-Stimme nicht dazwischen gewesen wäre. Einfach nicht deine Tonart aber die Ausrede gebe ich mir immer.
Wohl waren einige nicht darauf gefasst, dass wir die Hymne von vorn bis Hinten durch singen, auf jeden Fall gingen von Strophe zu Strophe immer mehr Blätter nach oben und wenn ich schon die Melodie versaute, so war ich doch stolz alle Strophen auswendig zu können.
Tagesordnungspunkt 2, war die Diskussion über die Gründung einer Jugendorganisation und wie diese, die Kaisertreue Jugend, in TuL integriert werden konnte. Ein erster Versuch, diese als Arbeitskreis zu gründen scheiterte an der Satzung, ansonsten hätten wir am 19.11.05 zwei Arbeitskreis-Gründungen erlebt. Die Arbeit wurde, wie man sieht, extern bereits aufgenommen.
Nach dem Essen erfolgte ein Vortrag von Eric Bayer, über den Freiherrn von Knigge und was sein Buch "Über den Umgang mit Menschen" wirklich ist. Der ursprünglich eingeplante Gastredner Dr. Ernst Kretschmar, der über die Verbindung von Kirche und Staat im Königreich Preußen reden wollte, war leider kurzzeitig verhindert und so entschied sich der zukünftige Leiter des Arbeitskreises Sachsen von Heute auf Morgen einen Vortrag über das genannte Thema aus zu arbeiten.
Die Einführung war der eigentliche Vortrag, zumindest kam es mir so vor, denn wie schwankungsvoll das Leben, des reisenden Freiherrn auch war, vom glühenden Monarchisten, zum Freimaurer und später noch zum Mitglied der Illuminati, so erfreute es den Referenten doch sehr, das "Wie Knigge ich Menschen im Gang um", wie es manchmal spöttisch genannt wird, in der monarchischen Schaffensperiode des Meisters geschrieben wurde. Es zeigt auf, wie der Anbeginn der republikanistischen Epoche, in der Knigge lebte, die Menschen allmählich veränderte und wie sich durch den Wegfall der ständischen Gesellschaft, die die Menschen wohl einschränkte, ihnen aber doch Überleben und Sicherheit garantierte, die Existenzgrundlage vieler Menschen geraubte wurde und die republikanistische Gleichheit, in Wirklichkeit der Anbeginn, der Ellenbogengesellschaft und des Rechts des Stärkeren war.
In einer Gesellschaft, in der alle gleich sind, ist Konkurrenz und die materielle Auslöschung des Anderen, wie man sie am deutlichsten auf dem Börsenmarkt sieht, an der Tagesordnung. Die Ständeordnung würde durch die Hackordnung ersetzt und die Moral durch das Naturrecht, denn wie die Wissenschaft bewiesen hat, ist der Mensch nur ein intelligenzbegabtes Tier, was nichts anderes heißt, als das der Stärkere den Schwächeren frisst. Der Blick in die heutige Welt zeigt dies: wenn es um Arbeitsplätze geht, sind Aktienkurse wichtiger. Durch den Automatismus dieser Entwicklung, kann sich auch der Mensch mit den besten Vorsätzen, dem nicht entziehen.
Nach dem Gründungsakt wurden noch einige Fotos von der Versammlung geschossen, man prostete sich mit Reichsbräu zu und die Melodien der alten Lieder gingen in den angeregten Gesprächen der Teilnehmer unter. Sachsen hat einen Arbeitskreis, viele Leute sind es und ihr Eifer die Welt einzureißen und den Republikanismus in Sachsen mit der neuen Monarchie zu beenden war spürbar. Schon in den nächsten Monaten will man sich wieder treffen, dann in Leipzig.